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Rot und Hornlos
Nach dem Bullen Burket-Falls Polled Plus war es eine Zeitlang still rund um die hornlose Vererbung. „Es ist die Ruhe vor dem Sturm“, meint John Burket. Der amerikanische Milchviehhalter arbeitet seit den 60er Jahren an der Hornloszucht und am Rotfaktor. Alleine in Nordamerika warten 20 genetisch hornlose Testbullen auf einen Zuchtwert.
Bescheiden. Wer John Burket die Hand drückt trifft einen ruhigen, selbstbewussten Milchviehhalter. Von Burket kommen nicht die großen Erfolgsgeschichten über seinen Betrieb. Nein, John macht den Eindruck, dass er ein ganz normaler, 42jähriger Milchviehhalter ist, der zusammen mit seinem Bruder und seinem Vater einen Milchviehbetrieb in East Freedom im Staate Pennsylvania führt. Er war Mitte November 2006, auf Grund einer Einladung des Triple A Vereins, ein paar Tage in Holland um einen Vortrag über seine Zuchtziele zu halten, obwohl er normalerweise jeden Tag 110 Kühe im Anbindestall melkt. Seit 30 Jahren hat er die gleiche Anzahl Tiere. Unerwartet hohe Indexe John denkt in Kühen und in Zahlen. Nicht alleine mit Indexen auch mit aAa . In der Zucht von Burket spielt Triple A seit Jahren eine wichtige Rolle. Der Bulle Enhancer hat gute Arbeit auf dem Betrieb geleistete. „Er brachte uns unerwartet hohe Indexe, dadurch kam von den Besamungsstationen viel Interesse für unseren Betrieb. Enhancer wird gehasst wegen seiner schlechten Kreuzpartien- und Beinvererbung. Aber auf unsere stilvollen und kräftigen Kühe mit aAa-Code 642 können wir die Offenheit, den Milchtyp und die Breite von Enhancer mit seinem aAa-Code 315 gut gebrauchen.“ Mehr Bullennamen mit aAa-Code folgten im raschen Tempo, da Burket ein enthusiastischerer Fürsprecher war als erst gedacht. Nach Enhancer passte Starbuck mit aAa 216 gut, gefolgt von Blackstar und zuletzt hatte Rudolph viel Einfluss. Daneben machen wir auch viel Gebrauch von eigenen Bullen, um die Hornlosigkeit in unserer Viehzucht zu verankern.
Ölfleck Dank der genetischen Eigenschaft der Hornlosigkeit genießt der Viehzuchtbetrieb von Burket-Falls weltweite Berühmtheit. „Eigentlich kam die Hornlosigkeit durch Zufall in unseren Betrieb als wir 1960 trächtige Färsen zukauften. Eines der Kälber die wir daraus bekamen blieb hornlos und bekam den Namen Princess Fayne Houwtje. Sie entwickelte sich zu einer Kuh die 7 Laktationen lang, mehr als 1100 lbs (500 kg) Fett per Laktation produzierte.“ Die hohe Leistung sorgte dafür, dass ihr Sohn Burket-Falls ABC (v. Glenafton Rag Apple Charmer) als erster hornloser Bulle von der Besamungsfirma ABS eingesetzt wurde. “Enthornen ist ein falscher Eingriff in die Natur und wir beschlossen durch Zucht die Hornlosigkeit weiter in unserer Herde zu verbreiten“ erzählt Burket. Das Ziel scheint fast erreicht, da 80% seiner heutigen Herde das hornlose Gen hat. „Züchten auf Hornlosigkeit ist einfacher als das züchten von Rotbunten durch Rotfaktorgen“ weiß Burket. Eine Tatsache die er schon tausendmal erzählt hat, dass die Vererbung der Hornlosigkeit vergleichbar mit der Vererbung von dem schwarzbunten Haarkleid ist. Ein Bulle der selbst hornlos ist mit den Genotypen PP oder Pp vererbt im Falle von PP 100% hornlose Nachkommen. Bei Bullen mit dem Gen Pp ist die Hälfte der Nachkommen genetisch hornlos. Einer der bekanntesten Bullen der das Pp-gen besitzt ist der Aerostar-Sohn Burket-Falls Polled Plus. Wegen dem bescheidenen Einsatz von Polled Plus blieb es jahrelang still um die Hornlosigkeit. Das ist infolge von Burket nur die Ruhe vor dem Sturm. „Ich zweifle nicht daran, daß die Hornlosigkeit innerhalb kurzer Zeit großen Eintritt in die Holsteinpopulation tut. Wenn erst die Politik und die Tierschützer in der Enthornung aktiv werden kann es in einer Stromschnelle enden.“ “Auch das genetische Niveau der hornlosen Prüfbullen ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Allein in Nordamerika warten 20 Bullen auf ihren Zuchtwert. Da braucht nur ein Bulle wie Blackstar dabei zu sein und die Hornlosigkeit verbreitet sich wie ein Ölfleck über die Welt.“
Populäre Rotbunte Noch so eine genetische Eigenschaft die Burket durch Zufall in die Viehherde bekommen hat, ist der Rotfaktor. Durch den Bullen Ca-Lil Standout Cavalier RF in Kombination mit der Kuh Burket-Falls Elevation Sophia-P (Excellent bewertet mit 93 Punkten) wird eine Kuhfamilie entwickelt die nicht allein hornlos ist, sondern auch das Rotfaktor-Gen besitzt. Glen-Toctin SM Cole RF , nicht hornlos, ist einer der höchsten Rotfaktorbullen in der amerikanischen Indexliste, er stammt von Sophia-P ab. „Rotfaktortiere sind populär und geben gute Preise“ erzählt Burket, der jährlich 20 Bullen an Kollegen oder Besamung verkauft. „Für unsere rotbunten genetisch hornlosen Bullen haben wir eine Warteliste“. Durchschnittlich produziert der Burket Betrieb 10500kg Milch mit 4% Fett und 3.2% Eiweiß. „Wir versuchen ausbalancierte Kühe zu züchten“ erzählt Burket über sein Zuchtziel. Paradox, Talent, Toystory, Burket-Falls Pledge-PP und selbst Stadel und Classic werden eingesetzt. Burket kommt aus den Federn als er sein Zuchtziel verdeutlicht. „Balance ist mehr als eine breite Vorhand. Es ist ein breites Maul, große Nasenlöcher, ein breiter Brustkasten und eine geräumige Hinterhand. Alle Körperteile der Kuh sind in der Höhe auf einander abgestimmt. Balance in der Kuh sorgt für Durchhaltevermögen.“ Um das Durchhaltevermögen der Kühe zu zeigen, hier ein paar Betriebskennzahlen: DieRemontierungsrate lag letztes Jahr unter zwanzig Prozent, die durchschnittliche Lebenszeit beträgt beinahe 6 Jahre und im Moment werden 6 Kühe gemolken die eine Lebensleistung von über 200.000lbs (90.000kg) haben.
Verleasen von Bullen
John Burket macht ein nachdenkliches Gesicht als er über die kommerzielle Vermarktung der hornlosen Genetik spricht. Die kommerzielle Vermarktung ist enorm, doch auch als relativ kleiner Betrieb sieht er die Zukunft positiv. Allein er hält nichts von der kommerziellen Werbung (Webseiten) . Von seinem Betrieb gibt es keine Webseite in dem Sinn, höchstens eine bescheidene Annonce in Holsteinzeitschriften (Anmerkung des Übersetzers: Eine Website gibt es mittlerweile ;-). Tiere aus seiner Herde sind auch ohne Werbung sehr gefragt. Burket behält die Vermarktung in der eigenen Hand. Bullen für Besamungsstationen werden verleast und nicht verkauft so dass bei Zuchtbullen noch ein Gewinn für Burket überbleibt. Wenn ein hornloser Zuchtbulle weltweiten Einfluss bekommt soll er den Namen Burket-Falls tragen, John Burket ist überzeugt: „Das ist nur eine Frage der Zeit.“
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